Geschichtliches

 

CHRONIK von WEISENDORF:

1288 Erste urkundliche Erwähnung von Weisendorf
Eberhard von dem Berge ist Lehensträger des Bistums Bamberg in „Weizzendorf“. Er will zusammen mit seinen Kindern ins Kloster gehen. Deswegen tauscht er mit seinem Vetter Heinrich Weisendorf gegen drei Güter in Dambach.

1288-1438: Die Ritter von Berg
Sie bauen in Weisendorf auf dem Gilgenberg östlich der heutigen Auracher Bergstraße einen steinernen und beheizbaren Wohnsitz („Kemenate“), der ab 1397 „Burg“ genannt wird, verarmen wie viele ihrer Standesgenossen und werden zu Raubrittern. Der kaiserliche Landrichter aus Nürnberg zerstört daraufhin 1397 den Weisendorfer Wohnsitz derer von Berg völlig

1438-1626: Die Linie Seckendorff-Nold
Im ersten Markgrafenkrieg wird 1449 das Weisendorfer Schloss vom Nürnberger Feldhauptmann Reuß von Flauen erobert und niedergebrannt. Es kommt zu schweren Leiden für die Bevölkerung. Im Landshuter Erbfolgekrieg 1504/5 wird Balthasar von Seckendorff von Nürnberger Truppen bis Weisendorf verfolgt, der ganze Ort brennt mit Ausnahme der Kirche nieder. Sein Sohn Friedrich Joachim baut gemäß der damaligen Mode gegenüber dem Junkerngut ein befestigtes Wasserschloss.

1539: Übertritt zur Lehre Luthers
Im zweiten Markgrafenkrieg plündern und brandschatzen 1552 erneut Nürnberger Soldaten den Seebachgrund und damit Weisendorf.

1626-1650: Die Truchsesse von Wetzhausen
Mitten im seit 1618 tobenden Dreißigjährigen Krieg kaufte der in schwedischen Diensten stehende fränkische Oberst und Befehlshaber in Franken, Wolf Dietrich Truchseß von Wetzhausen, das Schloss für seine italienische Geliebte und sich. 1632 übertrug er die Herrschaft seinem Bruder Philipp Albrecht. In diese Zeit fällt die Zerstörung des Ortes und vieler Dörfer ringsum. Die Gegend wurde teilweise menschenleer, in Weisendorf überlebten allerdings einige Einwohner den Krieg.

1650-1689: Major Martin Ballhorn vom Wrangeischen Leibregiment erwirbt das Rittergut Weisendorf und eignet sich Grund und Boden aus früherem Gemeindebesitz an. Er ist wie alle späteren Schlossbesitzer katholisch und beginnt mit der Rekatholisierung des Dorfes, was in den kommenden Zeiten zu einer gemischt konfessionellen Bevölkerung mit heftigen Auseinandersetzungen führte.

1689- 1761: Unter Hans Georg Freiherr von Lauter, Amtmann des Bistums Bamberg in Höchstadt und Wachenroth, gehören jetzt zur Gutsherrschaft neben dem Schloss 29 Höfe, die Mühle, eine Brauerei, die Ziegelhütte und das Hirtenhaus. Dazu kommen zwei Güter in Schmiedelberg, zwei in Oberlindach und je eines in Sauerheim und Arnshöchstädt. In dieser Zeit entstand die Vorstadt, wo der Freiherr Handwerker und Tagelöhner – meist katholisch – ansiedelte.
Freiherr von Lauter lässt das Schloss in seiner bis heute erhaltenen Form neu erbauen. Als Vorbild diente Seehof bei Bamberg.
1723 übernehmen die Töchter Barbara von Brandenstein und Sybilla von Hanstein die Herrschaft. Sybillas Enkel Damian Joseph und Franz Maximilian von Langen können wegen ihres aufwändigen Lebenswandels das Gut nicht mehr halten und müssen verkaufen.

1761 -1784: Der Geheime Rat, Kammerherr und Obrist-Leutnant Freiherr Philipp Wilhelm von Bibra erwirbt das Rittergut Weisendorf und lässt die katholische Schlosskapelle vergrößern. Während des Siebenjährigen Krieges rücken im Jahre 1762 800 preußische Soldaten auf ihrem Marsch nach Nürnberg in Weisendorf ein, plündern, nehmen alle Pferde mit und fordern 120 Taler.

1784-1813: Graf Rummerskirch aus Böhmen
kauft Weisendorf, er füllt den Schlossweiher mit 400 Fuhren Sand auf –
damit verliert der Bau seinen Charakter als Wasserschloss.
Für die Bevölkerung beginnt nun wieder ein sehr tragischer und leidvoller Zeitabschnitt, in dem sich die Ereignisse überstürzen.
Im Zuge des ersten Koalitionskrieges der europäischen Großmächte gegen das revolutionäre Frankreich rücken 1796 erstmals französische Truppen in Weisendorf ein. 1802 besetzen pfalz-bayerische Truppen das Hochstift Bamberg, welches im Reichsdeputationshauptschluss 1803 zu Bayern kommt. Das Amt Herzogenaurach und damit Weisendorf gelangen zu Preußen.
Mit dessen Niederlage 1806 gegen Napoleon geraten die ehemaligen hohenzollerischen Markgrafentümer Ansbach und Bayreuth endgültig unter französische Verwaltung, ehe sie 1810 bayerisch werden.
In dieser wechselvollen Zeit müssen die Einwohner immer wieder Kosten für Truppeneinquartierungen aufbringen, welche schließlich so hoch werden, dass
1818 gehört das „Pfarrdorf‘ Weisendorf (94 Haushalte, 193 Familien, 751 Einwohner) zum Gerichtsbezirk und Rentamt in Neustadt a.A.
Seit 1820 wird das Dorf endgültig als „Markt“ bezeichnet. Jährlich wurden vier Märkte abgehalten und zwar an den Sonntagen vor Fastnacht, Johanni, der Kirchweih und Kathrein. Mittlerweile waren neue Häuser in der Kirchen- und Neustadter Straße und Am Windflügel entstanden.

1813 – 1882: Franz Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg erwirbt gegen Ende der Napoleonischen Kriege das mittlerweile könglich bayerisch gewordene Lehensgut Weisendorf.
Von 1825-1882 herrscht dessen Sohn Hermann über das Dorf. Im Zuge der Bauernaufstände im März 1848 in ganz Franken kommt es auch in Weisendorf zu tumultartigen Ausschreitungen, Hermann von Guttenberg flieht mit seiner Familie ins sichere Würzburg. Für die Einwohner bringt die Revolution das Ende der Abgaben und Frondienste, sowie die langersehnte Auflösung des hiesigen Patrimonialgerichts 1. KIasse. Weisendorf zählt 1860 rund hundert Häuser mit 155 Familien und 697 Einwohnern, davon sind 357 katholischen, 274 evangelischen und 66 jüdischen Glaubens. Zur jüdischen Gemeinde gehören zwölf Häuser, darunter die Synagoge mit Mikwe.

1876: Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Weisendorf

1885: Einweihung der St.-Josef-Kirche
Der katholische Teil der Bevölkerung durfte bis dahin den Gottesdienst in der Schlosskapelle besuchen. Mit der steigenden Anzahl der Katholiken wird ein eigenes Gotteshaus notwendig, und die St.-Joseph-Kirche kann eingeweiht werden. Aber erst 1916 entsteht die katholische Pfarrei.

Um 1900: Der Ringelblumenanbau
erreicht seinen Höhepunkt und verhilft den Weisendorfern zu ihrem Spitznamen „Blumazupfa“. Die Einwohner bauen die Ringelblume auf Feldern an, Aufkäufer liefern die Blütenblätter in die Großstädte, wo diese zu Salben, Tees, ja sogar zu falschem Safran verarbeitet werden.

1914-1945: In beiden Weltkriegen müssen hohe Opfer gebracht werden, viele junge Weisendorfer fallen oder werden vermisst. 1945 rücken die Amerikaner ohne nennenswerte Gegenwehr in den Marktflecken ein. Das Schloss wird als Truppenunterkunft beschlagnahmt.

1917: Beide Kirchen liefern die Kirchenglocken für Kriegszwecke ab

 1946-1948: Wegen des riesigen Zustroms an Flüchtlingen aus den Ostgebieten und dem Sudetenland, welche überwiegend im Schlossbereich untergebracht werden, verdoppelt sich die Einwohnerzahl. Viele gehen wieder, 1948 hat Weisendorf 1189 Einwohner, darunter rund 400 Flüchtlinge.

1957: Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg übereignet das Schloss, welches sich in ruinösem Zustand befindet, dem karmelitischen Säkularinstitut Notre Dame de Vie.

Die Angehörigen des Ordens beginnen mit der Renovierung des Gebäudekomplexes, welcher heute zum einen als Tagungsstätte, zum anderen als Ort der Zurückgezogenheit für die weltweit tätigen Schwestern dient.

1963: Einweihung der Schule am Reuther Weg
(heutige Grundschule 1)

1972: Am 1. Januar 1972 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Reinersdorf und Rezelsdorf (von 1875 bis 1895 Retzleinsdorf) sowie Teile der Gemeinden Hammerbach und Unterreichenbach eingegliedert. Am 1. Mai 1978 kamen Kairlindach und Oberlindach sowie Teile der aufgelösten gemeinde Boxbrunn hinzu.

1978: Die Verwaltungsgemeinschaft Weisendorf mit Oberreichenbach, Großenseebach, Hessdorf und Aurachtal entsteht.

1980: Dreiteilung der VG Weisendorf
es entsteht die Marktgemeinde Weisendorf mit allen Ortsteilen in ihrer heutigen Form.

1985: Fertigstellung und Einweihung der Mehrzweckhalle.

1992: Fertigstellung und Einweihung des Hochbehälters der zentralen Trinkwasser-Versorgungsanlage.

1993: Bezug des Erweiterungsbaus der Volksschule

2006: Einweihung und Bezug des neuen Rathauses.

2012:

  • Die Ampelanlage an der Kreuzung Erlanger Strasse / Höchstadter Strasse wird in Betrieb genommen.
  • Die letzte Hauptschulklasse wird verabschiedet. Zukünftig müssen die Kinder die Mittelschule in Herzogenaurach besuchen.

Auszug aus www.weisendorf.de